Pro-Retina-Plus ist eine Selbsthilfegruppe des Österreichischen Blinden- und Sehbehindertenverbandes der Landesgruppe Wien, Niederösterreich und Burgenland, die sich mit dem Erblinden und den damit verbundenen Schwierigkeiten auseinander setzt. Sie befasst sich nicht nur mit Netzhauterkrankungen, sondern mit allen Ursachen von Sehbehinderung, bzw. Blindheit. Seit Herbst 2006 bietet Pro-Retina-Plus regelmäßig öffentliche Veranstaltungen an.
In den 1990er-Jahren hatte es den Verein „Österreichisches Retinitis Pigmentosa Forschungsprojekt" (ÖRPF) gegeben, der unabhängig vom Blinden- und Sehbehindertenverband war. Nach der Auflösung dieses Vereines wurde 2004, dieses Mal im Rahmen des Blinden- und Sehbehindertenverbandes, eine Gruppe mit dem Namen „Pro-Retina" gebildet, die mehr oder weniger dasselbe Profil aufwies wie der ÖRPF und bis Anfang 2006 Bestand hatte. Beide Organisationen befassten sich ausschließlich mit Netzhauterkrankungen und den damit verbundenen Problemen.
Astrid Dursy, Franz Kvasnicka und Markus Wolf erkannten die Notwendigkeit, eine Selbsthilfegruppe innerhalb des Verbandes zu bilden, die als Vorfeldorganisation tätig ist, indem sie Personen anspricht, die wegen ihres noch relativ guten Sehrestes die Aufnahmekriterien für eine Mitgliedschaft im Verband nicht erfüllen, aber dennoch mit einem Verlust ihres Sehvermögens zurechtkommen müssen. Die schon bestehende Gruppe, die sowieso weitergeführt werden musste, konnte zu diesem Zweck ausgeweitet werden. Mit dieser Erweiterung kann Pro-Retina-Plus sowohl die Bedürfnisse von Personen mit Netzhauterkrankungen als auch von allen anderen Personen mit einem beeinträchtigten Sehvermögen abdecken. Pro-Retina-Plus ist daher nicht nur eine Weiterführung der beiden Vorgängerorganisationen, sondern hat einen erweiterten Kompetenzbereich, weil sie sich mit Erblindung im Generellen und den Problemen, die dadurch im Alltag, in der Gesellschaft, in der Familie sowie in den Beziehungen zu anderen Personen entstehen, befasst.
Es sind regelmäßig Treffen geplant, auf denen Vorträge von Experten zu hören sind und Diskussionsforen stattfinden.
Bei den Veranstaltungen erfahren Betroffene und Interessierte über die aktuellsten Forschungen und ihre Ergebnisse. Die meisten Betroffenen möchten wissen, welche Forschungsschwerpunkte gesetzt werden, welche am vielversprechendsten zu sein scheinen und ob es in absehbarer Zukunft eine Lösung für ihr Augenproblem geben wird. Sie wollen aber auch erfahren, ob sie irgendetwas unternehmen können, damit ihr Sehvermögen sich nicht weiter verschlechtert, oder zumindest nicht so schnell. Es werden daher Vorträge von ExpertInnen über Entwicklungen in der Medizin und somit wertvolle Informationen für betroffene und interessierte Personen angeboten.
Ein zweiter Schwerpunkt dieser Gruppe ist, dass Betroffene und ihre Angehörigen die Gelegenheit bekommen sollen, in von Experten geführten Arbeitsgruppen über die Probleme des Alltags zu diskutieren, die aus einem Verlust des Sehvermögens hervorgehen. Jede Person erlebt ihre Blindheit oder Sehschwäche auf ihre eigene Art, weil Augenleiden bei keinen zwei Personen ganz gleich auftreten oder verlaufen. Dennoch gibt es bei allen von ihnen Gemeinsamkeiten - fast jeder ist mit einem sehr unangenehmen, oft sogar einem sehr schmerzhaften Verlust konfrontiert, der einen dazu zwingt, sich an die ständig verändernde Situation anzupassen. Wie man bestimmte Probleme lösen oder in verschiedenen Situationen am besten zurechtkommen kann, soll miteinander in Gruppen ausgetauscht werden. Pro-Retina-Plus soll also auch ein Diskussionsforum sein, in dem Betroffene und Angehörige voneinander lernen und Erfahrungen austauschen können.
Dr. Markus Wolf
Das Pro-Retina-Plus-Team bietet Vorträge entweder auf Tonbandkassette, auf normaler Audio- CD, oder die gesamte Vortragsserie auf einer Daisy CD an.
Folgende Vorträge stehen zur Verfügung:
Philosophie und Blindheit (Vortragender: Prof. Erwin Bader, Uni Wien)
Retinitis Pigmentosa, Glaukom (grüner Star) (Vortragender: Prof. Clemens Vass, AKH Wien)
Netzhautimplantat Augenchip für RP (Vortragende: Prof. Michaela Velikay-Parell, Uni Graz)
Altersabhängige Makula-Degeneration (Vortragender: Dr. Wolfgang Geizenauer, AKH Wien)
Mobilitäts- und LPF-Training (Vortragende: Marina Kern und Andrea Wahl, Rehatrainerinnen der LG Wien/N/B)
Bedeutung der Wahrnehmungspsychologie für sehbehinderte und blinde Menschen / Univ. Prof. Dozent Dr. Rainer Maderthaner
Vortrag u. große augenärztliche Sprechstunde durch Prim. Doz. Dr. Stefan Sacu
Der Blinde im Wandel der Zeit, ein geschichtlicher Abriss zum Thema Blindheit und Sehbehinderung / Hofrat Dr. Friedrich Benesch Direktor BBI 1968 bis 1994
Rheumabedingte Augenerkrankungen / Dr. Stefan Felke
Kraftquelle Angst; Angst als positive Lebenskraft / Dr. Walter Hoffmann, Psychoanalytiker, Klinischer u. Gesundheitspsychologe, Leiter des Instituts für Angewandte Tiefenpsychologie, General Medical Manager der Privatklinik Bad Aussee u. Autor mehrerer erfolgreicher Sachbücher
Aktueller Überblick über den Stand in der Augenmedizin / Dr. Stefan Felke
Psychosomatische Intelligenz / Univ.Doz. Dr. Christian Fazekas, Facharzt für Psychiatrie , Arzt für Psychotherapeutische Medizin an der Medizinischen Univ. Graz, Universitätsklinik für Med. Psychologie und Psychotherapie
Louis Braille Haus, Hägelingasse 4-6, 1140 Wien, Tel. 01/98189/DW 117, E-mail: sozialarbeit-nowotny@braille.at.
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